Gesellschaftliche Naturverhältnisse und materialistische Kritik

Vortragsreihe des AK Kritische Intervention im WS 2014/15

Seitdem (Wieder)Erstarken der Thematisierung des Klimawandels nach dem medialen Verschwinden des Ozonlochs Mitte der 1990er Jahre sind Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Energiesparen, CO2-Minimierung und vor allem „gesunde“ (Bio-)Nahrungsmittel wichtige, beinah alltägliche Paradigmen der Lebenswelt. Vor einigen Jahren noch undenkbar ist das Warenangebot an Bio-Produkten, vollwertigen Lebensmitteln, ökologisch verträglichen, früher nur in der Reformhaus-Szene erhältlichen Verbrauchsprodukten bis hin zum Stromanbieter, energieneutralem Hausbau sowie Umweltinvestment für den Kleinanleger unüberschaubar gewachsen. ›Umweltbewusstsein‹ scheint mehr denn je verbreitet zu sein. Kaum ein Unternehmen leistet sich kein Umweltmanagement, Umweltschutz ist auf regionaler bis globaler Ebene eines der wichtigsten Topoi in der Politik geworden und die Konsumwelt ist ohne die Labels ›Bio‹, ›ökologisch abbaubar‹, ›CO2-neutral‹ etc. nicht mehr vorstellbar. Utopien der Nachhaltigkeit, einer „gesünderen Lebensweise“ und Dystopien der Endlichkeit der Erde begegnen einen beinah täglich. Umweltbewusstsein, nachhaltiger Konsum und darauf bezogene Wachstums- und Konsumkritik beleben nicht nur Untote wie die globalisierungskritische ATTAC-Bewegung, sondern transformieren den seine Bedürfnisse befriedigenden Normalbürger in einen ›kritischen Konsumenten‹. Der Natur was Gutes tun, ob „mit jedem Waschgang“ oder der Balkon-Tomate! Im Mittelpunkt der konsumkritischen Wohlfühl- und Bewusstseinspraxis steht ein Verständnis von Natur, in dem sie als vermeintliches Prinzip des Reinen, Guten oder Authentischen, als Gegensatz zur Gesellschaft fetischisiert wird. Was hinter der gesamtgesellschaftlichen Pseudoaktivität, ob als ›kritischer Konsument‹, als von Wellblechhütte und Subsistenz träumende Wachstumskritikerin oder moralisch richtig gepolter, grün-konservativer Altbau-Bewohner, verschwindet, ist eine Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Naturverhältnis. Die Frage, was die Zerstörung der Natur und das zügige Voranschreiten zu tatsächlichen Grenzen des Planeten, mit dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, mit der kapitalistischen Produktionsweise und mit gesellschaftlicher Herrschaft zu tun haben könnte, stellt sich erst gar nicht. Die beschriebenen Sachverhalte stellen damit gewissermaßen den Ausgangspunkt dar, in den Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen vor dem Hintergrund einer materialistischen Gesellschaftskritik das Verhältnis von Natur und Gesellschaft näher zu beleuchten. Nachgegangen werden soll, was es überhaupt mit Natur (auch am Menschen) auf sich hat, wie das Verhältnis von Natur und Gesellschaft im Lichte der ›Dialektik der Aufklärung‹ zu begreifen ist und was dies für eine fundamentale Gesellschaftskritik jenseits der Verkürzungen von Konsumkritik und Postwachstumsbewegung bedeutet.

Die Vorträge:

Mi. 19.11.2014: Martin Blumentritt – Der Begriff der Natur bei Marx und Adorno

Di. 09.12.2014: Julian Kuppe – Ohnmacht und imaginäre Inszenierung. Zu einigen gegenwärtigen Erscheinungen des Verhältnisses von Natur, Individuum und Gesellschaft

Mi. 14.01.2014: Michael Schüßler – Zum Verhältnis von Natur und Geschichte im Individuum – Psychoanalyse als Kritische Theorie des Subjekts bei Alfred Lorenzer

Alle Vorträge beginnen jeweils 19.30 Uhr und finden in den Räumen von Radio Corax, Unterberg 11, Halle statt.

Die Reihe wird fortgesetzt.

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